The Beach Side (1)

Leicht mag der Verdacht auftauchen, daß man sich mit Photographien, auf denen bestimmte (eigentümliche) Menschen abgelichtet werden, über diese Menschen lustig machen will, insbesondere wenn der Photograph sie in eigenwilligen Posen und mit wenig Kleidung an einem Strand ablichtet: Daß er ein Objekt vorführt. Dem ist aber nicht so, denn die abgebildeten Menschen stehen als pars pro toto; sie befinden sich in einem Funktionszusammenhang. Sie zeigen auf eine Situation. Man sollte diese Bilder also freundlich sehen, so wie der Ethnologe, der im brasilianischen Urwald eine uns bisher unbekannte Ethnie abbildete. Genauso sollten wir uns selber betrachten, denn das auf den Photographien sind ja wir und niemand anders. (Auch wenn mancher das vehement bestreiten würde.)

Andererseits: es steht nicht gut an, eine Deutung der eigenen Photographien zu geben. So muß sich jeder selber ein Bild machen, jeder sieht, was er sieht. Oder er sieht nicht, was er latent dennoch sieht.

Zudem zeichnet sich das Strandleben auf Mallorca durch eine angenehme Vielfalt aus. Ich breche dort lediglich einige Aspekte heraus. Ja, es gibt dort und woanders auch jenen amüsierwütigen Kleinbürger, der holländisch, britisch, deutsch, türkisch usw. daherkommt. Leicht ist es dabei, sich über den Kleinbürger, den Spießer, den Normalisierten zu erheben. Denn der Normalisierte: das ist bekanntlich immer der Andere.

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Alle Photographien: © Bersarin 2010

16 Gedanken zu „The Beach Side (1)

  1. die bildkompositionen sind gut und die motive gefallen mir sehr. nur der zoom in die kniee und Ihren hang zum überblendend weiß versteh ich nicht – letzteres macht sich in den bildern zu wichtig, frißt sie regelrecht auf, da nullinformation. sagten Sie mir, dies sei genau so gewollt und ein philosophisch begründbares unbedingt, was könnt ich antworten? es überzeugte mich dennoch nicht .
    gruß,
    lyra.

  2. Bild 11 bräuchte wirklich eine hochauflösendere Version. Bild 5 könnte beinahe ein Detailausschnitt von Bild 11 sein.

  3. @ Hanneswurst
    Da mir die Wünsche meiner Leser heilig bis bedeutsam sind, solange sie nicht politische Statements oder Dinge, die in Arbeit ausarten, betreffen, bin ich Ihrem Wunsch nachgekommen und habe das Bild 11 in einer höheren Auflösung eingestellt. Aber wenn ich fragen darf: Was machen Sie eigentlich mit meinen Bildern, wenn Sie die in so hoher Auflösung haben wollen? Holen Sie sich Ihr entgangenes Preisgeld wieder, indem Sie meine Bilder urheberrechtsverletzten und das Photo bei einer Werbeagentur für ein Sonnenmilchwerbephoto einreichen?

  4. @lyra
    Die Kniebilder müßte man wohl eher in einer Serie zu Körperbildern sehen, insofern sind die hier nicht gut aufgehoben. Doch da die Photos nun einmal am Strand entstanden, habe ich sie hereingestellt.

    Überblendet habe ich dort, wo ich keine Strukturen vom Strand haben wollte; inwiefern das tiefere Implikationen mit sich bringt, das weiß ich nicht, weil der Photograph nicht gehalten ist, seine eigenen Bilder zu verstehen. Ein wenig spielt gewiß die Polaroidästhetik hinein. (Eine Zeit lang waren Stefanie Schneiders Polaroidbilder en vogue, die sie mit abgelaufenen Polaroidfilmen fertigte.) Doch auf die Dauer gestellt, werden Effekte langweilig: da gebe ich Ihnen recht, und insofern sind Photoshop et al. eben auch ein Fluch für die Photographie. Es kommt am Ende nicht auf den Effekt, sondern auf das Sujet bzw. die Komposition an. Hier zeigt sich dann auch das Problematische der Lomographie bzw. der Kategorie des zufälligen Augenblicks, der ja andererseits prädestiniert ist für die Photographie. (Siehe hierzu etwa Baudelaires Gedicht „A une passante“, das wie eine Photographie im Blitzlicht funktioniert.)

    Vemessen könnte ich natürlich auch behaupten, daß ich eine Antwort auf Martin Parr geben möchte.

  5. Aha, herrlich. Nein, ich wollte mich nicht bereichern, außer um einen guten Bildeindruck. 1200 * 800 Pixel sind dafür gerade genug, finde ich. Jetzt sehe ich auch, es scheint ein anderer Mann mit den Armen in den Hüften zu sein.

  6. Männer in kurzen Hosen gehören verboten.
    Wer hat das noch gleich gesagt…?

  7. Die Bild-„Zeitung“ im eigenen Blog als Link gesetzt zu bekommen, das ist schon etwas ganz Besonderes. Allerdings etwas, worauf es nicht stolz zu sein braucht. Trotzdem heißt es bei mir im Blog: Hier bleiben alle. Ich lasse das also, wie alles übrige, was in Zukunft kommen mag, so stehen. Die Dinge kommentieren sich sub species aeternitatis sowieso von selber.

    Schön auch, in diesem Rahmen einmal wieder etwas vom Neuköllner Botschafter zu hören.

    Ja, der Islam ist mir als Religion sehr sympathisch, brachte er doch eine so segensreiche und gute Strömung wie den Suffismus hervor. Vorzugsweise Riesling, Bordeaux, Grauburgunder. Der Prophet selber rauchte bekanntlich Luky Strike und fuhr zeitweise, so wie es sich für Propheten geziemt, einen Alpha Romeo Giulietta Spider. (Bitte, liebe Leserinnen und Leser, schauen Sie, so für zwischendurch, doch einmal Godards „Die Verachtung“, damit Sie die Tiefendimension dieser geistreichen Anspielung angemessen verstehen können. Ausgenommen natürlich, Ihre Religion verbietet Ihnen das Betrachten von Filmen.)

  8. Nun ja, viele Karrieren haben bei der BILD begonnen. Nicht immer die attraktivsten – unklar auch, wo und wie die Behosung bei der Einstellung aussah…
    Im übrigen bevorzuge ich als gebürtig rheingauer Prophet den Riesling. Für die Dopplung des Videos (das auch Rheingauer sehen dürfen!) bitte ich um Vergebung uind Löschung, nicht den Propheten, wohl aber die Herren der Schöpfung, die sich die Waden rasieren (Marcel Reich-Ranicki erwähnt es in seinen Memoiren) oder jene, die es nicht tun (Charles Bukowski war dafür berühmt – übrigens kommt der auch vom Rhein und «vom Rhein sein, das ist persönlicher Adel» legte ja Carl Zuckmayer seinem Teufels General im zweiten Akt in den Mund) – – Und jetzt hänge ich meinen Hintern in die Sonne. (Beim Barte: noch ein Zitat aber mit Bezug!)

  9. Ja, durchaus hat der gute alte Vater Rhein seine attraktiven Seiten. Diesen Sommer sind Rhein und Ruhr geplant. Auch wird ein kleiner Abstecher zu Horst Schimanski nach Duisburg unternommen.

  10. Das Überblendungsweiß entstellt die Szenerie zur Kenntlichkeit, da die Personen in die weiße Leere eines Nicht-Ortes gesetzt sind.
    Daß da etwas „angefressen“ wird – nämlich mit seinem Ort das Subjekt selbst – hätte Lyra um ein Haar richtig gesehen.

  11. Diese Lesart meiner Strand-Photographien ruft zumindest nicht meinen Protest hervor, insofern kann sie dann so verkehrt nicht sein. Und je länger ich nachdenke: Genau dieser Aspekt spielt in die Bilder hinein, freilich ohne von mir angemessen auskomponiert zu sein. (Noch besser wäre es, wenn die Menschen auf Anweisung den Strand verließen, so daß nur noch ihre bescheidenen Habseligkeiten im Sand lägen, diese lichtete ich dann inmitten der Sommerszenerie ab. Und so hegte ich bereits als Jugendlicher eine heimliche Vorliebe für die Neutronenbombe: Die Menschen verschwinden plötzlich und nur die Dinge bleiben in ihrer Verschlossenheit übrig. Und wie titelte es die Titanic in den Achtzigern einmal genial: „Rums da ist der Heiland weg“, dazu eine explodierte Neutronenbombe sowie ein leeres Kreuz samt Golgatha.)

    Wobei ich mich allerdings mit der Lektüre meiner eigenen Photos schwertue. Zudem stellen diese Photographien ja innerhalb eines Blog eher ein work in Progress dar, sozusagen wie in einem Skizzenbuch präsentiert, das ein Blog ja immer auch ist. So sind diese Bilder im Grunde halbfertig. Veröffentlichte ich die Photos in einem Buch, so geriete die Auswahl, die Reihenfolge, die Bearbeitung sicherlich um einiges anders. Es setzte eine weitere Stufe der Auseinandersetzung und Komposition ein.

    Allein das vielfältige Material zu sichten, ist eine Aufgabe für sich, die Zeit kostet. Reiste ich früher für eine Woche mit 15 bis 20 s/w-Filmen (à 36 Bildern) im Gepäck – was wenig ist –, so komme ich im Zeitalter des Digitalen mit 2000 bis 3000 Bildern von der Reise (was gleichfalls wenig ist). Das durchzuarbeiten kostet natürlich Zeit.

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