Arrival Berlin, Sortida und Taxi – eine Form von Abwesenheit

Heimgekehrt vom schönen, warmen, heiter-südlichen Mallorca ins graue, abendliche, schwüle Berlin, noch vor Mitternacht, und es fängt die Übellaunigkeit nach dem Herunterhieven des Koffers vom Drecksfließband gleich im Anschluß an. Forteilen, Flughafentür öffnet sich automatisch, heraustreten und sogleich weeßte: jetzt biste wieder da. Ach, wohnte ich in Augsburg, in München, Frankfurt und Saarbrücken. Es wäre besser dort. Gar Stuttgart oder Köln, selbst Kiel, Düsseldorf, Hamburg, Bremen böten mehr.

Ich bewege mich samt dem rollbaren Koffer zu den Taxen, trete mit meinem Gepäck aus der Schiebetür heraus und was sehe ich, vorauf blicke ich?: Ein Hauptstadt-Flughafen, wo kein einziges Taxi steht. Ich dachte mir zuerst: na, die haben bestimmt alle ihre gelben Leuchtlichter ausgeschaltet; guckste erst mal richtig hin. Vielleicht auch ein Begrüßungsscherz. Aber es ist nicht an dem. Es steht da kein einziges Fahrzeug zur Personenbeförderung. Leer und öde wie eine Wan Tan-Suppe ist der Platz. Lediglich auf Taxis wartende Fahrgäste stehen vergeblich-ratlos herum und bilden eine anständige Warteschlange. Die Ossifizierung des Westens. Die Fahrer streiken, ging es darauf durch den Kopf des Kritikers. Auch nicht richtig. Nach 23:00 Uhr ist in Tegel Betriebsschluß, so lautet die richtige Antwort.

Nein, ich habe so etwas in noch keiner Stadt erlebt, ich bin solche Unbotmäßigkeit niederer Geister auch gar nicht gewohnt. Lediglich vor dem Flughafen von Bayreuth warten keine Taxen, was jedoch darin seinen Grund findet, daß er abseits der Stadt auf einem Berg liegt und dort selten Flugzeuge landen. Meist fliegt man über Nürnberg, wenn man denn fliegen muß. Doch was soll‘s: andern ergeht es schlimmer, schließlich hat der Koffer Räder, so daß ich ihn nicht zu schleppen brauche. Zurück also in die andere Richtung.

In der siebten Klasse im Unterrichtsfach „Werken/Arbeit und Technik“ durften wir mit Fischer Technik konstruieren und bauen. Ich jedoch hasse das Basteln und die Technik. Bricolage interessiert mich allenfalls als Kulturtechnik und im Zusammenhang mit der Ethnologie eines Lévi-Strauss. Um nicht als Querulant und Unruhestifter dazustehen, setzte ich dem Lehrer also einige graue Plastiksteinchen in eine rechteckige Form zusammen. Er behauptete, daß diese Konstruktion etwas dürftig sei, wie die anderen Kinder solle ich doch einmal meine Phantasie spielen lassen, mir etwas ausdenken. Ich mag es jedoch bis heute nicht besonders, mir Dinge auf Befehl ausdenken zu müssen. Ans obere Ende dieses Plastikbaustein-Rechtecks brachte ich darauf eine Metallwelle an. Mit tiefernstem Gesicht sagte ich dem Heimwerklehrer, daß ich mir nun einen tragbaren Koffer ausgedacht habe. Der gute Mann tobte mit hochrotem Kopf. Ach, ginge es im Leben immer so einfach ab. Es bedarf nur einer winzigen Verschiebung, eines kleinen Details und die Dinge liegen im messianischen Lichte der Erlösung dar, sei es auch nur als Simulacrum eines tragbaren Koffers. Wie ich es getan habe mit diesem Koffer: so und nicht anders, stelle ich mir vor, hat der Demiurg die Ideen geschmiedet. Ich bin dann vom Flughafen mit dem öffentlichen Nahverkehr ins geliebte Heim gefahren. Es ist doch immer wieder gut, unter Menschen zu sein.

Demnächst, wenn ich dazu komme, zeige ich hier eine kleine Bilderserie von Mallorca. Vielleicht auch begleitet durch ein wenig Text, um durch diesen Hauch des Privaten diesem Blog etwas Human touch zu verleihen.

Überleitung zu einem ganz anderen Thema: Auch muß ich in meinem Photoarchiv demächst noch einmal richtig kramen, um beim Photowettbewerb auf dem Blog von Hanneswurst mitzutun, wo es gilt, Bilder mit seltsamen Hinweise zu zeigen. Es winkt auch ein Preis, nämlich eine Doppelhaushälfte in Kusŏng. Das erscheint mir erstrebenswert, da ich in dieser Stadt noch keine Immobilie besitze.

Vorab jedoch von dem schönen Mallorca schon einmal dieses, denn es ißt sich auf dieser Insel sehr vorzüglich.

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Alle Photographien: © Bersarin 2010

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