Notizen aus der Provinz

20 Jahre keine DDR (18)

Notizen aus der Provinz: So hieß einmal eine Satiresendung in den 70er Jahren. Wir jedoch besitzen glücklicherweise unsere schönen Serien „20 Jahre keine DDR“ sowie „Ausgesucht öde Orte“. Und gestern ging mir bei einem Ausflug ins Berliner Umland das Herz über vor lauter Ödigkeit. Wenn die Langeweile, nach Heideggers Urteil, philosophisch von Bedeutung ist, weil  dem Sich-Mopsenden darin ein Aspekt des Wesens der Zeit sich auftut, so sollte auch die Ödigkeit einen angemessen Ort in der Philosophie erhalten. Einen ihrer Wohnsitze wird sie sich sicherlich in der sogleich präsentierten Stadt genommen haben. Aber ach, ach: im Grunde ihres Herzens wohnt die Ödigkeit in jeder Stadt.

So gilt es heute: „In den Staub mit den Feinden Brandenburgs.“  Denn ich bin, gegen den Rat eines Liedermachers, dahin gefahren: „Es gibt Länder wo was los ist, es gibt Länder, wo richtig was los ist. Und es gibt Brandenburg.“, sang Rainald Grebe (http://www.youtube.com/watch?v=AzOTMXroAr0)

Und es existiert nicht nur das Bundesland, sondern etwa 30 km westlich von Potsdam auch die schöne Stadt Brandenburg. Durch diesen Marktflecken bin ich ein wenig geschlendert. Ich möchte diese Stadt nicht schlechtmachen, wie es mancher denken mag, wenn er diese Photographien sieht. Es gibt interessante Plätze in Brandenburg, die Stadt liegt am Wasser: ist umringt von Seen, die Havel fließt dort. Zudem: Ich würde im schönen München die gleichen Photographien machen, sage ich mir, während ein halbtrockener Riesling meine Stimme beim verlogenen Sprechen besonders geschmeidig macht und ihr ein haltbares Volumen gibt.

Nein, es sind diese Bilder in der Endbearbeitung nicht hinreichend auskomponiert, es handelt sich bei ihnen um Halbfertigprodukte.

Um schließlich auch die Freunde der populären Musik mir gewogen zu machen, um die Zugriffszahlen durch bestimmte, gezielt gesetzte Tags zu erhöhen, so möchte ich noch anmerken, daß ich beim Bearbeiten der Photographien Musik höre, wie ich es in den guten alten Zeiten analoger Photographie gleichfalls in meiner Dunkelkammer tat. Was ich höre? Zuerst ein wenig Marc Almond, die Sachen aus den 80ern, und dann Cobra Killer, um den kreativen Schwung zu bekommen. (Und zum alles krönenden Abschluß: Courtney Loves neue Platte Nobody’s Daughter. Immer wieder. Nicht viele mögen sie, ich schon.)

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Alle Photographien, wie immer und üblich: © Bersarin 2010

 

 

 

 

 

 

8 Gedanken zu „Notizen aus der Provinz

  1. Eine ganz wunderbare Bildserie.

    Nach wie vor bemängele ich, dass Sie die Wirkung Ihrer eigenen Aufnahmen durch niedrige Auflösung und manchmal erratische Gruppierung (das letzte Bild, dieses fantastische Nasensitzmöbel, steht doch ganz klar für sich allein) nicht zur verdienten Entfaltung kommen lassen. Sie gruppieren zwar, der Betrachter muss diese Gruppierung jedoch im Geiste nachvollziehen da Sie die Trennung nicht direkt markieren, gerade so, als würde ein Museum ohne Not die Exponate aus fünf Räumen in einen Raum zusammenlegen.

    Beim Anblick des Schäferhundes ist mir gottlob innerhalb von einer Femtosekunde „Blondi“ eingefallen. Vielleicht auch wegen Ihrer Playlist.

  2. Sie haben in Ihrer Weise völlig recht. Es geht jedoch nicht anders. Ich muß alles, wirklich alles selber machen. Die Photos schießen, die Bilder „entwickeln“, dann auch noch eine – gewissermaßen – museale Auswahl treffen.

    I wish I were in Dixieland, um die alte Hymne der Konföderierten Staaten von Amerika (CSA) abzuwandeln. Dann holte ich mir einen Sklaven, pardon, wollte sagen Praktikanten, der macht nach meinen groben Vorgaben die Anordnung. Nein, diese Photosachen verbrauchen so viel Zeit, daß ich der Anordnung nur noch eine mäßige Beachtung schenke.

    Da an Ihrer Kritik aber etwas dran ist, werde ich beim nächsten Mal mein Augenmerk auch darauf legen. Den Aspekt der Bildauflösung vernachläßigte ich. Ich dachte, ähnlich wie genova, nicht, daß die Bilder jemand anklickt. Doch manchmal irre ich eben. Nächstens werden die Photos also weniger heruntergerechnet.

  3. Das Foto über den beiden Hundebildern (viertes von unten) ist wunderbar dystopisch-alptraumhaft!

  4. Vielen Dank für Dein Lob. Der Begriff des Dystopischen trifft es ganz gut.

    In den Zeiten der analogen Photographie hätte ich einen Rotfilter verwendet, um den Kontrast zwischen Haus und Himmel zu betonen. Nun muß ein Programm (Adobe Lightroom) aushelfen. Lightroom (und auch Photoshop) arbeiten aber in dieser Beziehung lange nicht so gut wie der Rotfilter; dieser Filter, mit dem ich häufig und sehr gerne gearbeitet habe, konnte im Digitalen nicht ersetzt werden. Auch wenn es digitale Filterprogramme gibt: So entstehen etwa beim extremen Abdunkeln des Blaureglers Aberrationen. Bei Farbübergängen, am Hausdach, sieht man das ganz gut, wenn man im Original dort hineinvergrößert, so ist dort ein weißer Rand zu sehen. Gleiches gilt für die Bäume. Bei einem Rotfilter mit klassischer Laborentwicklung gab es das nicht. Doch ich spezialisiere ein wenig.

    Hinzufügen möchte ich noch, daß ich meine Bilde zwar bearbeite, aber nichts hineinmontiere und auch die Farben nicht derart verändere, daß etwas, welches vormals rot leuchtete, nun grün schimmert. In der „Entwicklung“ der digitalen Bildern geschieht nichts, was nicht nicht auch im klassischen Labor gemacht werden könnte.

  5. Ein großes Lob von meiner Seite zu dieser Bilderserie! Die Direktheit der Eindrücke springt mich aus dem Monitor heraus an. Hier wird nichts geschönt oder drumherum geredet. Und ich frage mich, wer sollte hier noch reden. Ist ja niemand mehr da zum lamentieren! Die Fortziehenden haben einfach Fakten geschaffen.
    Für meine Person kann ich sagen: sehr inspirierend!
    +++

    Mit den besten Grüßen
    … und viel Erholung im medienfreien Urlaub!

  6. Vielen Dank für das Lob. Sicherlich könnte man bei diesen Photos noch die Text/Bild-Kombination ansetzten; das rundete die Sache ab. Doch reicht hierzu einfach meine Zeit nicht aus, da ich für das Bloggen kein Geld bekomme.

    PS: Die Erholung ist gut geglückt, und vielleicht gibt es hier demnächst auch ein paar Photographien.

  7. Wie sprach einst Konrad Adenauer: Hinter der Elbe beginnt Asien. Das Asien, das er meinte heißt bei Tolkien Rhun.

  8. Oh, fein, daß Du diese alten Sachen Dir anschaust und liest. Das hat mich richtig gefreut. Ich hatte diesen Ausflug nach Brandenburg fast schon vergessen, und so kommt er, durch Deinen Kommentar, doch noch zu Ehren.

    Tolkien allerdings kenne ich nicht so gut. Um nicht zu sagen: ich habe nichts von ihm gelesen.

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