Sozialdemokratisierung des Denkens

„Der Konformismus, der von Anfang an in der Sozialdemokratie heimisch gewesen ist, haftet nicht nur an ihrer politischen Taktik, sondern auch in ihren ökonomischen Vorstellungen. Er ist eine Ursache des späteren Zusammenbruchs“ (W. Benjamin, Über den Begriff der Geschichte, GS I 2, S. 698)

Diese Zeilen brauchen nicht weiter kommentiert zu werden. Nein, Benjamin schrieb das nicht 2003, nachdem er sich im Kanzleramt mit Gerhard Schröder getroffen hatte, sondern bereits im Jahre 1940. Weiterhin finden sich in dieser XI. „Geschichtsphilosophischen These“ einige schöne Stellen zum Begriff der Natur und auch zur Kategorie der Arbeit wieder: „Die alte protestantische Werkmoral feierte in säkularisierter Gestalt bei den deutschen Arbeitern ihre Auferstehung. Das Gothaer Programm trägt bereits Spuren dieser Verwirrung an sich. Es definiert die Arbeit als ‚die Quelle alles Reichtums und aller Kultur‘. Böses ahnend, entgegnete Marx darauf, daß der Mensch, der kein anderes Eigentum besitze als seine Arbeitskraft, ‚der Sklave der andern Menschen sein muß, die sich zu Eigentümern … gemacht haben‘.“ (S. 699)

Da sage einer, es gäbe keine prophetische Philosophie: 1940 geschrieben, verfolgt und verfolgt und verfolgt diese kurze und schöne Passage von Benjamin die SPD. Nach unten führt der Weg, um einen Satz Novalis‘ etwas abzuwandeln.

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