Zum Abschluß des Jahres

Früher, in jenen ganz jungen Jahren der Jugend, da es sich noch gut und leichtfüßig alliterierte und die Zeit so träge und langsam dahinfloß wie sonst nur die Seine unter dem Pont Mirabeau, da pflegten wir nicht erst zu Silvester kräftig zu feiern und zu trinken, wie es die Iren (nicht nur) zu Finnegans Wake betreiben – ein schöner Brauch, nebenbei: Man schluckte solange Whisky zur Totenwacht und goß inmitten des wüsten Gelages denselben über den Toten, so daß dieser schließlich wiedererwachte, um an dem fröhlichen Umtrunk teilzuhaben. Wir pflegten also nicht erst an Silvester zu trinken, sondern schon einen Tag davor, und zwar noch viel heftiger als zum Jahreswechsel. Dies wirkte sich auf den nächsten Tag keineswegs mildernd aus. Doch so etwas macht man im Alter nicht mehr, weil nun die Vernunft waltet. Auch greifen wir zu gepflegteren Getränken als dem Bier und dem Southern Comfort.

Also: in diesem Sinne, werte Leserin, werter Leser, passen Sie auf sich auf, treiben Sie es nicht zu wüst, doch lassen Sie den Jahreswechsel auch nicht wie im Kloster zugehen. Das rechte Maß ist entscheidend; dort liegt auch die Tugend. Denn ein wenig Minimal-Moral möchte ich meinen Leserinnen und Lesern zum Ende des Jahres doch auf den Weg geben, damit es nicht nur bei der Ästhetik bleibt.

Und damit zum Schluß des Jahres auch ausschweifend gefeiert werde, sei zur Aufhellung der Stimmung ein Liedchen aus alten Zeiten präsentiert. Kommen Sie gut rüber ins Jahr 2010.

Das wahre Subjekt gibt es nur im unschuldigen Mittun. Dort kommt es ganz zu sich selbst.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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7 Antworten zu Zum Abschluß des Jahres

  1. hanneswurst schreibt:

    Ich weiß nicht genau, was passiert, wenn Sie einen toten Iren mit Southern Comfort beschütten. Am ehesten wird es wohl dissoziieren wie ein Vampir im Sonnenlicht.

  2. bersarin schreibt:

    Ich kann mir für eine lebenden oder toten Iren eigentlich nichts Schlimmeres vorstellen, und gut ist es, daß ich kein Ire bin.

  3. genova68 schreibt:

    Ihr siezt euch? Hier herrschen noch Respekt und Anstand.

    Euch ein gutes neues Jahr.

  4. bersarin schreibt:

    Natürlich, Delling und Netzer siezen sich ja auch (obwohl die sich ja sogar kennen.) Respekt, Anstand und das principle of charity sollten ja (nicht nur in der Blog-Welt) eigentlich selbstverständlich sein. Doch manchmal, das wußte schon Brecht, sind die Verhältnisse freilich nicht so. Dir auch ein gutes Neues Jahr.

  5. hanneswurst schreibt:

    Ey, wir können uns auch dutzen, Du. Wir bevorzugen jedoch den Pluralis modestiae.

  6. hanneswurst schreibt:

    Wir wünschen Euch auch frohe Jahre.

  7. bersarin schreibt:

    Diesen Wunsch möche die Sowjetische Kommandantur Karlshorst am späten Abend nach einer Wodka-Tour und deutschem Froilainwunder freundlich zurückgeben. Die eine Hand an der Tastatur, die andere sonstwo: so sind wir, diese Russen, mit ihrer Freude an Sauprozessen gegen alles Abweichende.

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