Virtuelle Fundstücke (1)

Ein Stoff-Sticker zum Bestellen (wer mag, kann auch ein T-Shirt damit haben):

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http://www.cottoncontrol.com/browse/Oliver-Polak-I-Love-Jews/de,0,718,1958,0.html?antiID=97140debb33365ba6c1b0477f24b354f

Ich glaube, dies kann man gar nicht weiter kommentieren, und hierzu fällt einem erst einmal rein gar nichts ein. Vielleicht hat Maxim Biller hier einen Spaß gemacht, dachte ich zunächst, oder Max Goldt, „ungeduscht, geduzt und ausgebuht“, eine seiner Grotesken hingezaubert. Doch nichts dergleichen.

Vielleicht kommt irgendwann in Deutschland ja irgendjemand auf die Idee, einen Streichelzoo mit ausgestellten Juden aufzumachen: Hier ein Rabbiner, dort der Nachbau von Mea Shearim, da einige der wenigen überlebenden Haredim zum Lockenzupfen.

Diese Dinge zeigen allerdings auf bedrückende Weise, wie fern ein natürlicher Umgang zwischen Deutschen und Juden immer noch ist. Solche Sticker sind auf dem Niveau von „Ich bremse auch für Tiere“. Wieder einmal zeigt sich hier, wie das gut Gemeinte das Gegenteil vom gut Gemachten sein kann.

Das einzige, was mich jetzt noch besänftigt, ist, daß man auf dieser Homepage auch Ramones-T-Shirts kaufen kann. Aber eigentlich beruhigt auch das nicht wirklich, sondern demonstriert nur die Kette eines unendlichen Verwertungszusammenhangs. Wie hieß doch gleich einer jener unvergessenen Hits der Ramones: „Blitzkrieg Bop“. Irgendwie passend, diese Korrespondenz.

5 Gedanken zu „Virtuelle Fundstücke (1)

  1. Nicht zu fassen. Ich weiß übrigens nicht einmal, ob es „gut gemeint“ ist. Anne-Frank-Idyllik hilft einem so herrlich dabei, unbequeme Fragen nicht stellen zu müssen.

    Würds mir fast bestellen, aber meinen ätzenden Spott damit könnte man missverstehen. „ich liebe Juden“. Ogoddogoddogott. So dumm, dass nichtmal das Gegenteil wahr ist.

  2. So ist es. Insbesondere die Sache mit der Anne-Frank-Idyllik, in der es sich so bequem schlummern läßt, um nicht Klartext reden zu müssen.

    Ich warte eigentlich nur noch auf die ersten Leser oder Leserinnen, die die Angelegenheit in ihre Antisemitismuserschnüffelungsnase bekommen und diesen Beitrag als solchen labeln. Zum Glück (oder leider?) hat dieser Blog aber nicht so viele Leser. Insofern sehe ich mich gefeit vor solchen Vorwürfen oder vor Online-Irren, wie Du sie gerade hattest.

  3. Ja das gefällt doch sehr gut. Die Figuren sind ja fast schon witzig zu nennen. Insbesondere das Bibelset dort hat eine gewisse Überzeugungskraft. Warten wir es also ab, bis wir diese Figuren in irgendwelchen trendigen Berliner Clubs entdecken. (Oder vielleicht stehen sie dort schon? Ich bin nicht mehr so ausgehgeübt.)

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