Demokratie und Medien – ein Interview mit Klaus Staeck

Ein sehr lesenswertes Interview mit Klaus Staeck gab es in der Samstagausgabe der „Berliner Zeitung“ vom 28/29 März: den Zusammenhang von Demokratie und Medien betreffend. (Jene, die vehement den Verfall von Werten beklagen, haben – in einer perversen Dialektik – genau dieses Privatfernsehen eingeführt und favorisiert und damit nicht nur den Verfall befördert, sondern  zugleich (wissend) dem aboluten Verdruß an Demokratie die Tür geöffnet, der dann regelmäßig den Sonntagsreden beklagt wird. (Ja, Sie wissen dies alles bereits; ich weiß; aber man kann es nicht oft genug wiederholen.) Es wird sich für Scheinthemen mehr interessiert, als für die Dinge welche momentan in dieser Welt geschehen:

„Wir haben politisch derzeit eine hochgefährliche Lage. Ich kann die Dinge nicht losgelöst von der allgemeinen Situation sehen: Wie muss es bei den Leuten ankommen, dass jetzt genau die Banken mit Milliarden subventioniert werden, die das Desaster angerichtet haben. Diese Vertrauenskrise trifft unvorbereitet auf eine völlig entpolitisierte Bevölkerung. Alles Politische wurde uns doch systematisch abtrainiert. Ich frage mich, wer stößt in diese Lücke? Denken Sie an die Kassiererin, die wegen Pfandbons von 1,30 Euro ihren Job verlor, während Leute, die Schäden in Milliardenhöhe angerichtet haben, die Frechheit besitzen, ihre Boni einzuklagen. Eine Gesellschaft, die das für ,normal‘ hält, ist völlig aus den Fugen geraten. Die Privatsender tun nichts dafür, um wieder Maßstäbe zu setzen. Das läge aber in ihrer Verantwortung. Für mich ist das Mediengeschäft immer noch etwas anderes, als Klamotten zu verkaufen.“ (Klaus Staeck, Berliner Zeitung 28/29.3.09)

Vielleicht ist von dem Adornoschen Diktum, daß engagierte (politische) Kunst in die Irre geht und , doch ein wenig zurückzunehmen, weil wir es mittlerweile mit einer fast vollständig unpolitischen bzw. depolitisierten Bevölkerung/Öffentlichkeit zu tun haben.

 Andererseits krankt engagierte Kunst an sich selber und ist bereits angefressen vom Bestehenden: „ Sein (Sartres) Ideentheater sabotiert, wofür er die Kategorien erdachte. Das aber ist keine individuelle Unzulänglichkeit seiner Stücke. (Und hier muß man hinzufügen. Dies gilt teils auch für die von Brecht, Anm.  v. Bersarin) Kunst heißt nicht: Alternativen pointieren, sondern, durch nichts anderes als ihre Gestalt, dem Weltlauf widerstehen, der den Menschen immerzu die Pistole auf die Brust setzt.“

Zudem noch ein Hinweis in eigener Sache: Es folgt in diesem Blog heute oder morgen eine mehrteilige Buchsprechung von Harald Welzers „Klimakriege“

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