Daily Diary (28) – 1. Mai in Berlin

Ich sage es gleich vorweg: Mir tun jetzt noch die Arme und die Beine weh, weil ich lief, mich den Tag über in schwüler Hitze bewegte, in Hinterhöfe rannt, über hohe Metallzäune kletterte, um den Polizeieinkesselungen zu entkommen, mir die Hand am tückischen Dornenstrauch verletzte und den Zeh verstauchte. Diese Kletterei über Zäune spielte sich im Gegensatz zu den anderen Menschen, die 20 bis 25 Jahre jünger als ich sind, mit 6 Kilogramm Ausrüstung ab. Gut, gut: das, was ich hier gerade machte, ist ein sehr egozentrischer Auftakt. Aber auch das Private ist bekanntlich politisch. Die Photographien von diesem Tag gibt es wie immer auf Proteus Image zu sehen.

Vor der Demonstranten ging eine Kundgebung gegen Mietsteigerungen durch das Viertel. In der Reichenberger Straße wurde die Straße von beiden Seiten mit Polizei dichtgemacht, so daß niemand mehr herauskonnte.

Die 18 Uhr-Demonstration begann 1 ½ Stunden verspätet am Lausitzer Platz, dort wo vor 25 Jahren die Bolle-Filiale abbrannte und der Druck im Kessel sich entlud. Und so lautete das Motto der diesjährigen 1. Mai-Demo auch: „Der Druck steigt!“ (Nein, Plünderungen sind nicht gut, aber sie zeigen an, wie es um eine Gesellschaft bestellt ist. Wie in London vor einem Jahr: die Menschen besorgen sich die High-Tech-Geräte, welche ihnen jeden Tag in der Werbung vorgeführt werden, auf ihre eigene Weise. Und daran sieht die Industrie doch sehr gut: Werbung funktioniert!)

Zum Auftakt hielt Jutta Dithfurt eine sehr gute Rede, die insbesondere diesen ganzen inszenierten Titanic-Schmonzes, der uns die letzte Zeit dargeboten wurde, in Korrelation mit den getöteten Flüchtlingen im Mittelmeer brachte. Zudem verwies sie darauf, daß in all diesen Filmen und Berichten über das Schiffsunglück kaum einer der ersoffenen Arbeiter aus den Maschinen- und Arbeitsräumen unter Deck vorkam. Sehr gut gefiel mir, daß sie insbesondere dazu riet, die Waffe der Kritik zu schärfen. Veränderungen von Gesellschaft gibt es nicht in einem Jenseits, durch den Guru, durch den Dalai Lama oder Zen-Gequatsche, sondern einzig immanent, hier im irdischen Leben.

Gegen 19:30 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Aus Solidarität mir dem Glaserhandwerk, da es dem Mittelstand und dem Kleingewerbe wirtschaftlich nicht sonders gut geht, wurden zum Auftakt die Fenster einer Berliner Sparkasse entglast.

Beim Springer-Haus geriet die Veranstaltung aus den Fugen, die Menge wurde in Richtung Jüdisches Museum gedrängt. Davor standen auffällig wenig Polizeiketten. Und da es zum Leidwesen der Springerpresse und auch anderer Medien zur Beschädigung des Jüdischen Museums nicht kam, so mußte in der Berichterstattung wenigsten das Polizei-Wachhäuschen vor dem Museum herhalten: „hatten Demonstranten Steine auf ein Wachhäuschen vor dem Jüdischen Museum geworfen.“ So Morgenpost Online.

Taktik der Polizei war es, in kleinen Zügen inmitten der Menge zu stehen und ggf. von dort aus zu agieren. Hinzu kamen dann bei Bedarf die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit, die sich vereinzelt Menschen herausgriffen. Die Taktik bei dieser Art von Bad in der Menge besteht darin, daß die Polizei nicht mit Gegenständen beworfen werden kann, da solche Würfe womöglich auch die Demonstranten treffen könnten.

Ach ja und übrigens: Die Frau mit der Hamburg-Jacke auf einem der Bilder: das ist genau mein Typ von Frau. (Hier stehe ich und kann nicht anders.)

Nicht unterschlagen werden soll zum Schluß, daß wir der Deutschen Bank für das Sponsoring der Deutschen Polizei danken. Jetzt tragen sie sogar das Logo dieser Anstalt, wenngleich in Polizeigrün.

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Die Tonspur zum Sonntag

http://www.umbruch-bildarchiv.de/video/berlin/video_30jahre_haeuserkampf.html

 

Daily Diary (15)

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Alle Photographien: Copyright Bersarin, Berlin 2011

Nachschlagender Nachtrag zur Occupy-Veranstaltung in Berlin

Ich habe es erst nach einer Woche endlich geschafft, die Photos zu sichten, deshalb gibt es diese Bilder samt einem Bericht verspätet.

Auf dem Platz vor dem Neptunbrunnen saßen oder tummelten diverse Menschen – Alte und Junge, ganz normal Gekleidete und die Verwegenen, sogar das BüSo beteiligte sich, was kein gutes Omen abgibt. Bei der DKP, nicht anders als früher, wehte im Wind ein rotes Fahnenmeer. Das kommt davon, daß jeder DKP-Teilnehmer in seinen Händen je zwei Fahnen – ich hätte beinahe geschrieben Winkelement – halten muß. Der Höhepunkt war wohl eine Gruppe junger Möchtegern- oder Halbhippies, die auf dem Boden sitzend zum Gitarrenspiel „Über den Wolken“ sangen. Was sollen wir sagen?: Dies ist der Beginn einer machtvollen und kräftigen, weltweiten Revolution: We shall not be moved, shall overcome, and overrun at least. Von deutschem Boden darf nie wieder ein Lied ausgehen. Wenn es im Oberstübchen bereits hapert und klemmt, wenn zentrale Elemente des Hirns zerfressen oder zersungen sind, dann weiß ich eigentlich nicht, wie es in der Theorie, in der Reflexion, mithin beim Begreifen von Gesellschaft und ihrem Zustand noch laufen soll. Dem folgte also deutscher Gesang. Ich war schon kurz vor dem Reißausnehmen, denn solch eine Gesangs-Scheiße muß ich mir nicht antun. Wo man singt Friedenslieder, da laß Dich nicht nieder, denn nur Derangierte singen solches immer wieder. In meinen schlimmsten friedensökologisch-hippiebewegten Schulzeiten – nicht ich selber, aber vermittelt über Schulfrauen in lila Latzhosen und ähnlichem, denen man sich ja doch nicht entziehen konnte, wenn die Zahl der Flachlegungen oder Halbflachlegungen als ordentlicher Oberschüler halbwegs stimmen sollte – sangen wir nicht solchen Grottenschrott. Es muß ja nicht immer das ewiggleiche Slime-Gedröhns, Holger Burner oder „Ton Steine Scherben“ sein.

Ich wollte ursprünglich die Bilder zur Occupy Berlin-Veranstaltung hier in diesen Text einbauen, aber ich habe nicht viel Zeit heute, es ist mir zu mühsam, danken tut es einem sowieso keiner, also gibt es die Photos auf Proteus Image zu sehen.

Zum Auftakt des Protestes preschte eine Gruppe, die sich autonom und anticapitalista gab, mit einem Transparent vor den Beginn des Zuges, drängte sich auf die Spandauer Straße vor einen armseligen Veranstalterlautsprecherwagen, dessen Boxenton nicht einmal zwanzig Meter weit reichte. „Wer hat euch denn zur Avantgarde gemacht?“, pflaumte eine herankommende Fahradfrau herum. Na ja, was soll man darauf antworten? Zur Avantgarde wird man nicht gemacht – entweder man ist es oder man ist es nicht. So zumindest ging das seinerzeit in der Kunst und in der Politik ab. Aber Avantgarde war die Anticapitalista-Gruppe mitnichten. So lief der Zug mit den üblichen Rufen nach Befreiung und Widerstand und keinem ruhigen Hinterland und „Ackermann – Kofferraum“ auf die Karl-Liebknecht-Straße und auf die „Unter den Linden“ los. Diesen Ackermannslogan wiederum fand ich, weil ich ein pädagogischer Volksfreund des Kofferraums als moralische Lehranstalt bin, ganz witzig. Aber man darf solches natürlich nicht überstrapazieren. Andererseits: der Mensch lebt nicht von Metaphern allein. Aber wer will am Ende schon die Verantwortung übernehmen? Sie etwa? Und sind solch Dinge nicht vielmehr verboten? Fragen über Fragen, die Leserin und Leser bitte nicht mir stellen mögen, denn ich trinke gerade einen wunderbaren …, ach, was soll ich Güter nennen? Und so früh am Abend schon Alkohol? Aber ja! Die Bayern haben Alpenglühen und bei uns im Osten heißt das Vorglühen (vor Party).

Ich blieb vorne beim Zug, weil ich, in die Polizeifunkgeräte gesprochen, hörte: „Da vorne ist eine Gruppe, die Streß macht.“ Ah, dachte ich, herrlich, obwohl ich beim Anblick der Gruppe die Einschätzung des Führers von Zug A2 nicht ganz teilte. Kleine Verstärkung der Einsatzkräfte erfolgte, aber nicht allzu viele rückten hinzu, keine Behelmten waren dabei und keine Hundestafel. Schade. Vielleicht gibt es trotzdem gute Bilder? War es am Ende doch richtig, den Helm mitzunehmen? Die Gruppe sah aber nicht nach wirklicher Randale aus, meine begehrlichen Blicke konnten da nichts sehen. Bei einem zweiten, kürzeren Transparent mit der Aufschrift „Hello Occupy Wallstreet. Yes: Enough ist enough is enough. Hello # Globalchange“ entdeckte ich später sogar eine attraktive Frau dabei. Kurzer Blickkontakt, aber als Photograph gehört man nun einmal zu den Counterschweinen, da läßt sich nichts machen und drehen. Pig oder Mensch. Aber ich bin doch nur der Photograph!

Der Block sang zuweilen Arbeiterlieder wie „Roter Wedding“ oder „Der heimliche Aufmarsch“ eigentlich liebenswert und ich mußte vor mich hinlächeln.

„Zivischweine, Schüsse in die Beine!“ Hm, das Gehen neben einem echten schwarzen Block kann Ärger mit sich bringen, kürzlich war ich auf einen Zug der Bereitschaftspolizei angewiesen. Auch Schläge, Stöße, Schubse gegen das süße Nikon-Baby sind nicht selten – ich kann es verstehen, die wissen ja nicht, wer ich bin und kennen diesen tollen Blog nicht.
Lobe ich mich hier eigentlich zu viel und machte etwas zu starke Selbstdarstellung?
Nöh, nöh, geht schon.
Na, denn is ja man jut.

Weiter ging es am Reichstag vorbei. Und in der Heinrich-von-Gagern-Straße schwenkte der bunte voranschreitende Block mit einem Male nach rechts ab – über die große weite und wie ich beim Laufen registrierte, sehr weiten Wiese und stracks auf den Reichstag zugerannt, um dann die Absperrgitter vor der Bannmeile zaghaft wegzuschieben und sich von den Bereitschaftspolizisten des Zuges A2, die vom Mitlaufen mindestens genauso erschöpft waren wie ich, zur Seite drängen zu lassen. Auch ein paar Hanseln der Polizei des Bundestages standen da. Wäre zum Reichstag ein richtiger schwarzer Block mitgelaufen, sähe das Gebäude heute anders aus. Aber es marschierte dann sicherlich eine andere Polizeibegleitung mit. Ich zumindest habe nach diesem Sprint gesehen, daß ich trainieren muß. Einen 1. Mai in Berlin halte ich so nicht durch. Beim laufintensiven Squat Tempelhof und bei den Anti-Nazi-Demos war meine Form besser.

Da es an den Gittern vor dem Reichstag keinen Willen zum Durchkommen gab, wurde sich vor dem Objekt sitzend niedergelassen. Als einige Blockierer Zelte aufbauten, näherte sich jedoch eine Beweissicherungs- und Festnahmegruppe, um das Treiben zu beenden. Also mußte es ohne Zelte gehen. Bei den Occupy-Wall-Street-Protesten in New York sind Megaphone von der Stadtverwaltung verboten worden, damit die Bank- und Börsenmenschen nicht durch zu viel Lautstärke gestört werden und ihren üblichen Geschäften nachgehen können. Diese Megaphonabsenz kopierte die Bewegung in Berlin, und so machte einer die Durchsage ohne technische Verstärkung und die anderen wiederholten das dann im Chor wortwörtlich. „Heute wollen wir unseren Protest zeigen!“ „Heute wollen wir unseren Protest zeigen!“, so die anderen. Und so ging das immer weiter, nach dem einen Redner kam der nächste und dann kam eine Rednerin und dann wieder eine und dann ein neuer Redner. Und dazu sprach fortwährend der Protestierendenchor die gerade gehörten Worte nach. Die schlimmste Regietheaterinszenierung des 108. Castorf-Epigonen, der ein Jelinekstück gibt, konnte nicht enervierender und schlimmer ausfallen als diese unendliche Repitation des zuvor bereits Gesagten. Allein aus ästhetischen Gründen scheint es mir geboten, das Verbot von Megaphonen in New York wieder aufzuheben. Der Chor, einst Mittel der Aufklärung, regredierte hier zur Maschine des Schwafelns.

Eine solch traurige Bewegung sah ich selten. „Über den Wolken“ und Chorgespreche. Sophokles hätte zwei Becher Schierlingssaft getrunken, um diesen Darbietungen zu entgehen. Andererseits möchte ich von einer Veranstaltung nicht auf die Gesamtheit schließen. Interessant mögen sicherlich die Prozesse sein, welche sich entwickeln, wenn unterschiedliche Menschen Protest anmelden. Andererseits ist dies bei der Divergenz der Interessen ein schwieriges Unterfangen. Pessimismus des Denkens bleibt.

Insofern ist der Hinweis auf das Shoppengehen kein schlechter. Machen Sie sich einen schönen Abend, es könnte Ihr letzter sein, so meine Empfehlung.

Ich selber sitze gerne an den abgefuckten Orten vor den Ruinen und sehe euch beim Untergang zu. Und wenn ich meine Nikon dabeihabe, dann halte ich das für später fest.

Ach ja: wer meint, es seien nur die bösen Märkte und die bösen, bösen Banken und der böse, böse, böse Ackermann et al., der irrt. Den freien Markt zu verbieten, mit allem und mit jedem Geschäfte zu machen, ihn gesetzlich zu regulieren, ist in etwa so, wie einem Glatzköpfigen zu verbieten, keine Haare zu haben und ihn zum Lockendrehen zu vergattern.

„Lieber Evas Genitale als Evangelikale“

Diesen Satz kann ich als Frauen liebender und sogar verehrender Mann sicherlich unterschreiben. Gestern fand in Berlin eine Demonstration gegen Abtreibung, der sogenannte „Marsch für das Leben“ statt. Eine grauslige Mischung verschiedener christlicher Fundamentalisten, die von der katholischen Kirche über Evangelikale bis zu den bibeltreuen Christen und anderen dubiosen Gestalten reichte. Es gab zugleich eine Gegenkundgebung. Ich habe ein paar Photographien gemacht, weil ich sowieso in die Friedrichstraße und zum Hackischen Markt mußte, um ein paar Dinge zu besorgen. Eine kleine Photoreportage gibt es auf „Proteus Image“ zu sehen.

Die schönste Mikrophondurchsage, die ich in meinem gesamten Demonstrationsleben, das seit 1980 währt, gehört habe, stammt von den militanten Christen: „Laßt euch auf unserer Veranstaltung nicht provozieren! Nehmt die Kinder und die Frauen in die Mitte, die Männer gehen außen.“ Was soll man da sagen: Göttlich und biblisch!

Ein Hinweis noch: es gibt Blogs, die pixeln Demonstranten oder machen die Gesichter durch Verwischen unkenntlich. Ich schreibe es als Wiederholung und stelle diesen Text dann leicht abgewandelt auch bei „About“ hinein, um Grundsätzliches zu meiner Photographie begreiflich zu machen. Man kann die Gesichter verwischen, aber man muß es nicht. Ich stelle mir vor, daß auf allen Photographien von Cartier-Bresson oder von Robert Capa die Gesichter unkenntlich wären. Dies sähe nicht so gut aus. Nun kommen die (berechtigten) Einwände wegen des Datenschutzes und des Rechtes am eigenen Bild. Dies ist juristisch heikel. Da ich gute Photographien fertigen will, nehme ich das kleinere Übel in Kauf. Ich vermeide es allerdings, Demonstranten bei Dingen zu zeigen, die zu einer Anzeige führen könnten. Außer das Bild ist so gut, daß man es zeigen muß. Sowieso: Die Staatsmacht dokumentiert die gesamte Kundgebung besser als ich. Jeder Zug der Polizei hat eine hochmontierte Videokamera dabei. Die Problematik beim Photographieren von Menschen sehe ich wohl.

Ach ja, der arme gestürzte Polizist! – das ist aus der Serie: Dumm gelaufen. (Im Rahmen der freiheitlich demokratischen Grundordnung, versteht sich!)

Anti-AKW-Demos in Berlin, Hamburg, Köln, München

Gestern noch dachte ich mir: „Geh da mal hin, kannst ja auch ein paar Photos machen, wird zwar langweilig, weil bei dem Gelaufe nichts los ist, allenfalls vor der CDU-Parteizentrale mag es zu einigen heiklen Situationen kommen, die mir gute Bilder bringen. Gut, es regnet heute in Berlin, aber auch dies ist kein Hindernis, denn es ist solcher Protest eine wichtige Angelegenheit. Andererseits wird eine bloße Demonstration nicht ausreichen. Ein paar weiterreichende Fragen, die das vorherrschende Bewußtsein der Grünen weit, sehr weit transzendieren, müßten gestellt werden. Na ja, der schwarze Block wird nach Kenntnislage auch mitlaufen, das wird dann wiederum und womöglich ein lustiger Protest.“

Dann jedoch liefen die Dinge anders und ich sah dieses Bild.

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(Copyright: Picture-Alliance / dpa)

Wie sich in strahlender Schönheit Fräulein Aljona Kirssanowa als „Miss Atom 2009“ vor den Kühltürmen des AKW Nowoworonesh positioniert (Angaben aus Berliner Zeitung v. 25.3.2011): Das hat schon was. Umdenken ist hier gefragt.

Wenn die Atomindustrie so exakt, so genau, so gelungen meinen Geschmack bei blonden Frauen trifft, kann diese Industrie so falsch doch nicht sein. Da muß ein Wahrheitskern schlummern. Niemals war ein Mensch durch Werbung derart leicht herumzubekommen wie ich. Da hilft dann auch der Auftritt von Frau Holofernes in Berlin nichts mehr. Dieses Lächeln, diese Grazie, dieser Anmut des Fräulein Aljona Kirssanowa. Das kenne ich sonst nur von einer einzigen Frau, die allerdings schwarzhaarig ist.

Mein Blick konnte von diesem Körper, insbesondere von diesem schönen Bauch nicht ablassen. Ob wir uns unendliche Gespräche über die Adorno-Rezeption in Russland geben könnten, kämen wir uns näher? Ob wir über Boris Groys‘ „Gesamtkunstwerk Stalin“ uns in die Erregung schaukeln mögen?

Edit: Und kurz nach dem Posten dieses Beitrages schellt das Telephon, und wer ist am Apparat und will den witzigsten und geistreichsten Schreiber Berlins daten? Fräulein Aljona Kirssanowa … Da sag einer was! Ich bin ein ziemlicher Glückspilz. Weil alle Russen bekanntlich Französisch sprechen, parliere ich in meinem Sonntagsfranzösisch. „Nach Moskau, nach Moskau!“, rufen wir uns zu.

Ansonsten: Heute 12 Uhr Potsdamer Platz in Berlin, 12 Uhr in Hamburg Moorweide, in Köln 14 Uhr Deutzer Werft und im eleganten  München um 14 Uhr Odeonsplatz. (Der Münchner und der Kölner mögen es gerne etwas später.)

Guttenberg den Schuh zeigen

In Berlin fand heute eine kleine Kundgebung gegen Guttenberg statt. Dies zog bis vor das  Verteidigungsministerium, so die Selbstbezeichnung dieses Hauses.

Copyright: Bersarin 2011

Anti-Nazi-Demo – Walpurgisnacht – 1. Mai: Kampftag der Arbeiterklasse (3)

Am besten wäre es, wenn diese Photographien an irgend einem Ort in einem Format von etwa  450 cm x  300 cm hingen. Es käme die schöne Wirkung der Photographien in einer Gursky-Größe sicherlich noch viel besser zur Geltung. Die frühe Düsseldorfer (Fotografie-)Schule hingegen (und nicht nur die)  vertrat die teils berechtigte These, daß ein Format von 24 x 18 cm nicht überschritten werden sollte. Denn noch das Photo von Mittelmaß gewinnt bei hinreichender Größe, entfaltet ungeahnte Wirkung. Häufig nutzte der “Stern” dieses Prinzip für seine früher einmal sehr guten Bildstrecken, wenn Photos auf Doppelseiten präsentiert wurden. Nun kommt allerdings Gursky genau aus jener Düsseldorfer Schule, und so zeigt sich, wie gut es sein kann, Prinzipien konsequent zu brechen; zumindest aber  nicht starr an ihnen festzuhalten.

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Alle Photographien: © Bersarin 2010

Anti-Nazi-Demo – Walpurgisnacht – 1. Mai: Kampftag der Arbeiterklasse (2)

Für alle, die nicht in Berlin leben, was bedauerlich ist, denn dies ist die beste Stadt Deutschlands: schließlich gibt es hier die angesagtesten Clubs, die hipsten Szeneläden, die tollsten Bars, die geilsten Weiber, die beste Band der Welt (Die Ärzte) und noch viele weitere beste Bands, den besten Fußballklub, lauter freundliche Menschen, die dufte drauf sind, ein prima Nahverkehrsnetz, einen Bezirk, wo lauter schöne Menschen mit Kindern wohnen, diese Menschen trinken gesunde Bionade; doch leider gibt es in dieser schönsten Stadt der Welt auch viele Faschisten sowie eine Nazikneipe. So wurde am 30.4. gegen die Nazi-Kneipe “Zum Henker”, die sich in Niederschöneweide befindet, demonstriert.

Die Demonstration  ging durch die Bezirke Oberschöneweide und Niederschöneweide. Teils sind diese Bezirke herrlich verfallen, so daß ich demnächst auch mit Bildern aus Oberschöneweide meine Serie “Ausgewählt öde Orte” fortsetzen möchte. Hier aber eine Dokumentation von der Demonstration.

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Alle Photographien: © Bersarin 2010

Anti-Nazi-Demo – Walpurgisnacht – 1. Mai: Kampftag der Arbeiterklasse (1)

Heraus zum roten 1. Mai – Walpurgisnacht

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Alle Photographien: © Bersarin 2010

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