Da sein
5. März 2010 5 Kommentare
Auftauchend aus dem Bezirk der Welt, wo für eine Zeit kein Internet-Text und keine Datenkabel, keine Funkwellen und keine Datenströme existieren und hineinragen, wird nach einer Woche Abwesenheit der Blogbetrieb wieder aufgenommen. Zahlreiche Artikel kündige ich an: zunächst wird es einen Beitrag zu Hitler und Stalin geben, dann geht es weiter mit der Lektüre von „Axolotl Roadkill“, dieser zweite Part der Lektüre wird auch der letzte Teil sein, weil das Thema nicht mehr als zwei Beiträge hergibt und ich eigentlich die Nase voll habe, bildlich gesprochen versteht sich, oder wie sagte es Fassbinder einmal: „Ich kokse nicht, ich habe Zentralheizung“. Warum auch sollte ein durchschnittliches Buch derart lang besprochen werden, wo doch so viel bessere Werke der Lektüre harren? Ich bin schwerstmöglich gelangweilt, um es im Slang des Dummdeutsch zu schreiben. Als nächstes lese ich das neue Buch von Don DeLillo und dann ab Mitte März, wenn es erscheint, den neuen Roman von Jan Faktor. Vielleicht fällt dabei eine Besprechung dieser Bücher ab.
Anschließend stelle ich ein großartiges Buch vor, welches ich jedem Leser an das Herz, wie man das so schön sagt, legen möchte. Ich verrate hier nur soviel, daß es sich um ein Buch im Folioformat handelt. Es ist ansprechend ausgestattet, und sein Inhalt hat es, tja, eben in sich, ein Mamutprojekt entstand da. Schwärmen wir darüber jedoch später und an geeigneter Stelle.
Und natürlich geht es mit der Lektüre von Walter Benjamin weiter. Vieles wird versprochen, manches davon hoffentlich gehalten.
Und weil ich dabei bin, zu empfehlen und anzukündigen, verweise ich auf die „Zeit“ dieser Woche, und zwar auf die Reisebeilage, wo es einen schönen Text vom wunderbaren Thomas Kapielski gibt mit dem Titel „Jakobus, steh mir bei!“ über das Reisen, bzw. Gründe dafür, dieses besser zu vermeiden. Wie so oft von Kapielski ist das sehr gut.
Es sollte ein Blog wie dieser, der das Sinnliche im Namen trägt, es zuweilen preist und lobt, eigentlich offen für das Reisen sein. Aber in Berlin ist es am schönsten. So wie sich überhaupt viel des Guten nur in Berlin ereignet, in dieser Stadt der Gegensätze, wo Dahlem manchmal unmittelbar an Neukölln grenzt, metaphorisch gesprochen. Und dann die Literatur: große Romane müssen entweder in Berlin oder in der tiefsten Provinz spielen. Woanders geht nicht. Allerdings: die Fallhöhe eines Romans, der in Berlin seinen Ort hat, ist beträchtlich. Da reicht es dann nicht aus, nicht im „Berghain“ gewesen zu sein.
Willkommen zu Hause, es war hoffentlich schön im Schullandheim. Ein Folio? Ansonsten hätte ich auf den just erschienenen Henry Darger Kunstband getippt. Sehr lohnenswert und eine Offenbarung für jeden einsiedelnden Blogger.
Ja, war ganz gut dort. Der Tee schmeckte diesmal ausgesprochen lecker. Danke für den netten Gruß.
Nee, Henry Darger ist es nicht. Aber mehr wird nicht verraten. (Danke aber für den Tip.)
«DA-HLEM SEIN GRENZT AN NEUKÖLLN»
… wie schön …
In Berlin oder in der tiefsten Provinz spielen. Woanders geht nicht.
… noch schöner …
In der «Null-Nummer» der Hochglanz-Image-Broschüre herausgegeben von der AKMS ( http://www.bsgmbh.com ) in «Zusammenarbeit» mit dem lokal zuständigen Quartiersmanagement die Karl-Marx-Strasse als «BROADWAY NEUKÖLLN» zu verkaufen und zu etablieren, daran hätte der Nemensgeber Karl seine wahre Freude.
Initiativen, die strukturerhaltend statt imagepolierend auftreten erhalten folgende Nachricht:
Sehr geehrte Damen und Herren,
gestern fand die bereits angekündigte Jurysitzung zur Bewertung der Projekte für den Teil 1 des Aktionärsfonds 2010 der [Aktion! Karl-Marx-Straße] statt. Eingereicht wurden insgesamt 32 Projektideen, von denen neun Projekte für die Unterstützung ausgewählt wurden.Gemäß der Zielstellung der [Aktion! Karl-Marx-Straße] bewertete die Jury alle Projektideen anhand der Kriterien: Interessen bündeln, Platz schaffen und Vielfalt stärken.
Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Entscheidung der Jury Ihr eingereichtes Projekt nicht berücksichtigen konnte. Das Abstimmungsergebnis sagt zunächst nichts über die Qualität Ihres Projektes aus, vielmehr musste angesichts der Fülle der Anträge eine Auswahl getroffen werden.
Wir bedanken uns deshalb noch einmal für Ihr Engagement und hoffen, dass Sie auch in Zukunft zu den Unterstützern der [Aktion! Karl-Marx-Straße] gehören.
Mit freundlichen Grüßen
Horst Evertz
http://www.aktion-kms.de/projekte/
Die Neuköllner Botschaft ist gespannt, ob es gelingen wird, nach den Ansätzen in der Steglitzer Schlossstrasse oder dem mittigen Szenewandel einen weiteren Kudamm respektive eine weitere Verdrängung gewachsener und kultureller «Armut» zu etablieren.
«Zur Verabschiedung wird immer häufiger «Tschüß» gesagt. Es wird aus Gründen der Ermüdung inzwischen wie «Schiß» ausgesprochen. Es wird schlapper. Die Blicke sind Schlafzimmerblicke, aber im Wohnzimmer will keiner keinen mehr (…) »
Aus Thomas Kapielski «DER EINZIGE UND SEIN OFFENBARUNGSEID»
Ich bleibe im Wohnzimmer und verhaftet. Tschüss !
Also, Element of Crime trifft es immer. Und was Du zur Schloßstraße sowie zu dem Aspekt der Gentrification schreibst, trifft es genauso. Es ist eine perverse, freilich konsequente Logik der Verwertung. Wobei man das schöne Steglitz ja nicht mehr gentrifizieren muß. Da macht man nämlich gerade das Gegenteil und malt auf den schönen, alten “Bierpinsel”, der doch bitte so bleiben soll, wie er ist, Grafffiti.
Vielleicht wird es deshalb und demnächst hier im Blog eine kleine Photoserie zum alten Bierpinsel geben.