Stalinallee – „Es steht in Berlin eine Straße …“

20 Jahre keine DDR (Teil 1)

 „die weißen Kacheln fallen
Uns auf den Kopf ja nur
Die Häuser stehen ewig!
(In Baureparatur!)“

in der Stalinallee (heute Karl-Marx- Allee). So dichtete und sang es einst Wolf Biermann 1973 in seinem lauten Song „Acht Argumente für die Beibehaltung des Namens „Stalinallee“ für die Stalinallee“. Und das ist nicht nur in den sechziger/siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts so gewesen, sondern auch heute noch im Jahre 2009, 20 Jahre nach dem Mauerfall zu besichtigen. Spätestens wenn man hinter das Frankfurter Tor auf die Frankfurter Allee kommt, wo jene beiden Bilder aufgenommen wurden, springt es einem ins Auge: die abgefallenen Kacheln, die ruinierte Außenfassade. Wenn man dann die Hauptstraße verläßt und sich hinter eines der Gebäude bewegt, so ist die Zuckerbäckerstilpracht verschwunden. Doch Verfall (und Leerstand) sind auch Richtung Strausberger Platz hin zu beobachten.

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 Es ist schade um diese Straße möchte man an vielen Stellen ausrufen, doch es fällt einem zugleich keine städteplanerische Lösung ein, um den Leerstand und Verfall dieser Straße aufzuhalten. Traditionsreiche Läden sind verschwunden (so etwa die alteingesessene Karl-Marx-Buchhandlung), unspektakuläre Gastronomie hat sich in bescheidenem Maße breitgemacht. Das Problem dieser Straße ist ihre Monströsität, ihre Überdimensioniertheit; die beiden Straßenseiten verbindet nicht viel miteinander. Und da es keine Arbeiter und keine Militärparaden mehr gibt, besteht die Funkion dieser Straße nur noch darin, Transport- bzw. Verkehrsweg und Besichtigungsort sowie Baudenkmal zu sein. Schlendertourismus, um eine eigentlich gar nicht so ferne Zeit zu betrachten: Jenen typischen (Ostberlin-)Ostblock„charme“.

 Wie soll und kann man so eine Straße nutzen und urban machen? Einmal im Jahr eine Biermeile veranstalten? Wofür ist diese Straße geeignet?: Für sozialistische Paraden und Aufmärsche war sie es einstmals.

 Und so möchte ich, von dieser geschichtsträchtigen Straße ausgehend, in der Wohnungen von Arbeitern für Arbeiter gebaut wurden (so der Sound der damaligen SED), in der der Aufstand vom 17. Juni begann, und die 1961, fünf Jahre nach dem 20. Parteitag der KPdSU, umbenannt wurde in Karl-Marx-Allee, eine kleine photographische Sightseeingtour durch den Osten (nicht nur Berlins) starten, auch anläßlich des Jubeljahres „20 Jahren Mauerfall“. Diese Jubiläumstour im Jahre 2009 wird in unregelmäßigen Abständen stattfinden. (Und sie hat ja bereits ein Mal eingesetzt mit jenem „Palast der Republik“ vom 3. März.)

 Es sollen Bilder abseits der blühenden Landschaften gezeigt werden. Wobei es nicht darum gehen soll, diesen Begriff der „blühenden Landschaften“ zu denunzieren und vorzuführen, daß dieser Begriff nicht immer stimmt bzw. nicht mit dem unter ihm Befaßten übereinstimmt. (An vielen Stelle ist er ja richtig; vieles hat sich geändert, und ein Narr ist, wer dies leugnet.)

 Mir ist es aber vollkommen egal, ob hier Landschaften blühen oder nicht. Im Gegenteil. Ich freue mich unerhört darüber, daß es so viele und schöne „Öde Orte“ gibt. Diese sollen festgehalten werden. (Vielleicht ein wenig analog zu jenem Sammelband „Öde Orte. Ausgesuchte Stadtkritiken von Aachen bis Zwickau“ bei Reclam Leipzig erschienen.)

Eine photographische Reise  in die ehemalige DDR, mal mit Text, mal ohne Text.

Insofern also: Alles Gute zu 20 Jahre Mauerfall. Die alte Zeit ist passé! Die alte Zeit war
passé …

Eine Antwort zu “Stalinallee – „Es steht in Berlin eine Straße …“”

  1. schlieper Sagt:

    alles, was nur aufgesetzt ist, fällt eines tages ab – von der fassade.

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